Mitarbeitenden-Porträt

Isabelle Rudolph: Auf dem richtigen Weg

Eine Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte in der Kinder- und Jugendhilfe? Wie geht das? Ganz einfach: Wenn man nach einer erfolgreichen Ausbildung und einigen Jahren Berufserfahrung merkt, dass die wahre Berufung woanders liegt, orientiert man sich neu. So tat es jedenfalls Isabelle Rudolph. Die Moormerländerin beendete ihre Tätigkeit in einer Anwaltskanzlei und wagte 2025 einen Neustart. Zunächst dachte sie über ein Psychologie-Studium nach, entschied sich dann aber für die Aufnahme des Dualen Bachelor-Studiums Soziale Arbeit. Den praktischen Teil leistet Isa – so wird sie von den meisten genannt – in der Landhaus Hollen GmbH ab.

Nach mehreren Bewerbungsgesprächen war es Isas Bauchgefühl, das den Ausschlag für unsere Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung gab. Nach den Jahren der Eigenständigkeit bedurfte es zu Beginn allerdings einer gewissen Gewöhnung, finanziell nicht mehr selbstständig zu sein. „Ich hatte mir ein unabhängiges Leben aufgebaut,“ berichtet Isa. „Es fiel mir nicht leicht, wieder Hilfe annehmen zu müssen.“ Das Duale System kam ihr von daher etwas entgegen und war ihr auch schon von der ersten Ausbildung her bekannt, so dass nach kurzer Zeit das freudige Gefühl überwog, etwas Neues lernen zu dürfen. Eingesetzt wird die Studentin seit dem Start im Oktober 2025 im Landhaus Hesel. In dieser intensivpädagogischen, traumazentrierten Wohngruppe leben drei Jungen im Alter zwischen 11 und 16 Jahren.

Isabelle Rudolph freut sich über ihren Neuanfang. (Foto: privat)

In der Eingewöhnungszeit passierten auch Dinge, von denen sie mittlerweile schmunzelnd erzählen kann: „Ganz zu Beginn, es war Herbst, wurde ich gebeten, mit einem der Jungen im Garten Laub zu harken. Gesagt, getan, aber irgendwann ging dieser Junge wieder ins Haus, und ich wusste nicht, ob ich die Arbeit nun allein zu Ende führen sollte. Und so harkte und harkte ich bis mir die Arme wehtaten und keiner holte mich wieder rein.“ Sie lächelt.

Diese anfänglichen Unsicherheiten hatten sich schon wenige Wochen später gelegt und gehören für alle in den Bereich der lustigen Anekdoten. Inzwischen ist Isa anerkanntes Mitglied im Team und begleitet die Dienste mit zunehmender Souveränität und Begeisterung.  „Mit den Jungen gehe ich gerne in den Austausch, wenn sie zugänglich sind. Dabei ist es mir sehr wichtig, so vorbehaltlos auf sie zuzugehen, wie ich das bei allen Menschen mache. Das hilft mir auch hier bei der Arbeit.“ Überhaupt ist Isa eine empathische und zugleich pragmatische junge Frau, die infolge gründlich aufgearbeiteter Erfahrungen in der Kindheit einen guten Zugang zu Menschen und insbesondere zu Kindern hat. Das spüren auch die Kolleginnen und Kollegen. Die Teamarbeit gefällt ihr: „Ich werde gehört,“ sagt sie und zeigt sich ausgesprochen dankbar für die Unterstützung durch das Team und ihre Anleiterin Mareike Wienberg.

Im Uni-Alltag hat sie ebenfalls die Gelegenheit, Beispielsituationen aus der Praxis zu analysieren und zu reflektieren, um sich weiter in die Thematik einzuarbeiten. Gut zwei Jahre Duales Studium liegen noch vor ihr, aber Isa konstatiert schon jetzt: „Ich fühle mich den richtigen Weg gehen. Und ich bin stolz, dass ich diesen Weg eingeschlagen habe, für den ich gemacht bin.“

Isa unplugged

Was hält dich bei der Arbeit fit?Da gibt es nichts Besonderes.
Was ist deine persönliche Superkraft?Ich gehe unvoreingenommen auf jeden Menschen zu. Und ich kann in der deutschen Gebärdensprache kommunizieren.
Wenn du ein Werkzeug in der Einrichtung wärst, welches wärst du?Ein Pinsel mit vielen bunten Farben.
Womit verbringst du deine Freizeit?Mit der Familie, mit Freunden, in Haus und Garten, mit Radfahren oder Malen.

Text: AF/Landhaus Hollen, Foto: privat