Mitarbeitenden-Porträt

Jonas Berger: Multitool mit Herz und Verstand

Jonas Berger
Sozialarbeiter in der Landhaus Hollen GmbH

Jonas Berger gehört im Grunde zu den Menschen der ersten Stunde in der Landhaus Hollen GmbH. „Du bist spät dran,“ sagte sein Studienberater, als er nach seiner Ausbildung mit dem Studium im Bereich Soziale Arbeit beginnen wollte. Daraufhin wandte sich der damals 19-Jährige an Mark Schollmeier, der die Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung im März 2020 ins Leben gerufen hatte. Der Geschäftsführer erkannte das Potential des Sozialassistenten und ebnete ihm den Weg ins Duale Studium. Damit hatte Jonas zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Endlich eigenes Geld zu verdienen und sich beruflich weiter zu qualifizieren.

Seine Studienzeit mit praktischem Anteil in der Landhaus Hollen GmbH beschreibt Jonas als ein einziges Highlight. „Ich habe in der Zeit sehr viel Wertschätzung erfahren und bin erwachsen geworden,“ erzählt er im Gespräch. Der gebürtige Zeteler hatte schon immer gute soziale Zugänge. Den Grund für seine rationalisierte und authentische Herangehensweise an die unterschiedlichen Situationen, die in einer Wohngruppe entstehen können, sieht er teilweise in seinen Kindheitserfahrungen. Fachlichkeit steht für ihn jedoch über den biografischen Einflüssen. „Professionalität ist für mich das allerhöchste Gut. Und auf jeden Fall muss ich immer Tempo machen,“ fügt er augenzwinkernd hinzu.

Eine außergewöhnliche Herausforderung für den Einstieg waren für den engagierten Studenten die Umstände, die vielen Unsicherheiten und die Einschränkungen der Corona-Pandemie. In besonderer Erinnerung geblieben ist ihm deshalb auch die allererste Ferienfreizeit am Birkenteich, die aufgrund der Lockerungen der Pandemie-Auflagen stattfinden konnte. „Für mich war das alles viel mehr Leben als Arbeit,“ fasst er die Zeit zusammen. „Und ich habe gelernt, dass es immer etwas gibt, was sich entwickelt.“ Eine große Stütze war schon zu jener Zeit die damalige Wohngruppenleiterin Rebecca Weski, mittlerweile Pädagogische Leiterin in der Landhaus Hollen GmbH.

Nach dem Bachelor-Abschluss in 2023, dem ersten in der Einrichtung überhaupt, zieht es Jonas trotz der vielen Wohlfühlfaktoren nach Dortmund. Dort bekommt er eine Stelle in der Abteilung Erzieherische Hilfen im Jugendhilfedienst Lütgendortmund. Als einer von über eintausend Mitarbeitenden sammelt er im Jugendamt Dortmund weitere wertvolle Erfahrungen, bekommt mehr Verantwortung und wächst kontinuierlich an seinen Aufgaben. Die große Herausforderung dort ist die Krise als Dauermodus. „Die Suche nach professionellen Begründungen für eine Krise hat mich schon immer gereizt. Eins ist dabei immer klar: Es darf keinen Stillstand geben und auch hier wieder: Es gibt immer irgendwas, was sich entwickelt,“ erzählt Jonas begeistert. Dazu zählt aber auch die Erfahrung, dass es Grenzen gibt: „Wir bestimmen letztendlich nicht das Glück der anderen,“ ist die nüchterne Feststellung. Die „Auszeit“ bezeichnet der im Jugendamt Dortmund hochgeschätzte Mitarbeiter als Realitätscheck. Doch nach einem Jahr ist dort Schluss.

Die Sehnsucht nach der Heimat ist so groß, dass Jonas sich entschließt, zurück nach Zetel zu ziehen und sich ein zweites Mal in der Landhaus Hollen GmbH zu bewerben. Die Freude dort ist groß. Seit einem Jahr ist der Friesenjunge und „People Pleaser“, wie er sich selbst auch nennt, wieder in der Einrichtung beschäftigt. Doch diesmal sind die Aufgaben vielfältiger und kommen seinem Wunsch entgegen, mehr Verantwortung zu tragen und Aspekte aus seinem erweiterten Erfahrungshorizont in die Gruppen eingeben zu können. Als Wohngruppenleitungsvertretung für die Häuser in Hollen und Hesel und mit der Verpflichtung für ein Bezugskind wachsen Anspruch und Aufgabenbereiche. Jonas fühlt sich in Hollen und Hesel sehr wohl: „Ich denke, wir sind gut aufgestellt. Die Multidiversität gefällt mir ausgesprochen gut. Ich fühle mich dem Landhaus sehr verbunden und möchte, dass es mit den Teams so weitergeht.“

Jonas Berger ist ein Mensch, der mit Leidenschaft, Professionalität, einer großen Portion Menschlichkeit und Verantwortungsgefühl die Kinder- und Jugendhilfe bereichert. Sein Weg von den ersten Schritten in der Landhaus Hollen GmbH über die Erfahrungen im Jugendamt Dortmund bis hin zu seiner Rückkehr zeigt: Entwicklung ist für ihn kein Ziel, sondern eine Haltung. Mit seiner Fähigkeit, Teams zusammenzuhalten, Verantwortung zu übernehmen und immer wieder neue Perspektiven einzubringen, ist er nicht nur ein wichtiger Baustein der Einrichtung, sondern auch ein Vorbild für die jungen Menschen, die er begleitet. Die Landhaus Hollen GmbH darf sich glücklich schätzen, einen solchen „Kleber“ und Macher in ihren Reihen zu haben – und wir dürfen gespannt sein, was Jonas als Nächstes bewegt.

Jonas unplugged

Was hält dich bei der Arbeit fit?Kaffee, aber nicht mehr so viel wie früher – und ohne Zucker, manchmal mit Milch.
Deine persönliche Superkraft?Ich bin so eine Art Kleber, also ein Transmitter für alle. Und ich weiß, wenn mich jemand anlügt.
Wenn du ein Werkzeug in der Einrichtung wärst, welches wärst du?Ein Multitool.
Womit verbringst du deine Freizeit?Zurzeit hauptsächlich mit meiner Freundin, unserem Hausbau und meinem Hund.

Text und Fotos: AF/Landhaus Hollen GmbH